Hochsensibel und trotzdem netzwerken? Suse Pauline Petersen sagt: gerade deshalb

15. Okt., 2026 | Gesprächiges

Suse Pauline Petersen ist Holistic Business Coach und Mentorin für Positionierung. Sie begleitet Frauen, die im Angestelltenjob erfolgreich waren und spüren, dass es so nicht weitergeht. Gemeinsam mit ihnen findet sie eine Business Idee, die erfüllt und gleichzeitig am Markt funktioniert. Sie selbst nennt sich Brückenbauerin vom 9 to 5 Job zum eigenen Soul Business.

Suse Pauline hat ihre beruflichen Wurzeln in der Textilbranche, später im Produktmanagement, und stand auf großen Kongressen vor Fachpublikum. Heute geht sie jeden Dienstag auf Instagram und Facebook live. Und sie sagt offen, dass sie sich früher für schüchtern gehalten hat.

Die Podcastfolge zum Nachlesen.
Foto: ©️Manuela Engelking

„Diese ein, zwei Sätze kannst du nur bilden, wenn du wirklich innere Klarheit hast.“ Suse Pauline Petersen 

Im NETZWERK-ZIRKEL haben wir darüber gesprochen, warum Hochsensibilität und Netzwerken gut zusammenpassen, wenn du ein paar Dinge über dich weißt.

In diesem Artikel liest du:

  • Warum Klarheit über dein Thema die Grundlage für jedes Netzwerkgespräch ist
  • Wie feinfühlige Menschen den passenden Rahmen zum Netzwerken finden
  • Warum du selbst entscheidest, wie viel du von dir zeigst

    Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.

    Ohne Klarheit kein Pitch

    Kennst du die Frage auf der Geburtstagsfeier: „Was machst du denn da eigentlich?“ Wer selbst noch keine Klarheit hat, beginnt oft, die eigene Methode zu erklären. Suse Pauline beschreibt das am Beispiel Aufstellungsarbeit: Du erzählst, wie die Methode funktioniert, merkst, dass dein Gegenüber abdriftet, und erklärst noch genauer. Nach zehn Minuten sagt jemand, er holt sich kurz ein Getränk. Und du bleibst allein zurück.

    Ganz anders wirkt ein Satz, der ein konkretes Problem und ein Ergebnis benennt. Suse Paulines Beispiel: Du hilfst Paaren, die nach dem Auszug der Kinder in einen Konflikt geraten und nicht mehr wissen, ob sie zusammenbleiben wollen. Am Ende haben sie Klarheit: bleiben oder gehen. Jeder versteht sofort, worum es geht.

    Das Schöne daran: Du musst dich dabei nicht einschränken. Alles, was du gelernt hast, kannst du weiter einsetzen. Aber diese ein, zwei Sätze kannst du erst formulieren, wenn du innerlich klar bist. Deshalb setzt Suse Pauline genau dort an, bevor es um Sichtbarkeit geht.

    Hochsensibel heißt nicht schwach

    Hochsensibel klingt für viele nach „Mimöschen“. Suse Pauline rückt das gerade. Hochsensible Menschen haben mehr Antennen. Die Filter für das, was sie hören, sehen und spüren, sind dünner. Sie kommen in einen Raum und merken sofort, wer gut drauf ist und wer mit wem einen Konflikt hat.

    Auf einem Event zeigt sich das so: Feinfühlige stellen sich nicht gleich in den Vordergrund. Sie stehen erst einmal am Rand, scannen die Eindrücke und verarbeiten, wer wie tickt. Ist es laut und voller Energie im Raum, wollen sie am liebsten davonrennen. Das ist kein Mangel, sondern eine Art, Menschen wahrzunehmen. Und genau daraus entsteht etwas, das beim Netzwerken viel wert ist: ehrliches Interesse am Gegenüber.

    Wähl deinen Rahmen

      Viele haben beim Wort Netzwerken ein bestimmtes Bild im Kopf. Das Sakko, das man privat nie anziehen würde. Der Chef, der sagt: Bring mindestens fünf Kontakte mit. Ein künstliches Umfeld, in dem man sich verbiegen muss. Dieses Bild, sagt Suse Pauline, muss niemand so leben.

      Für sie entsteht ein Netzwerk vor allem durch Gemeinsames. Online kannst du selbst entscheiden, wie stark du mit wem in Kontakt gehst. In einem Programm mit anderen Teilnehmerinnen entsteht Verbindung ganz von selbst. Und ein Frauennetzwerk in deiner Umgebung ist oft keine Runde mit 300 Menschen, sondern ein Abend mit zehn Frauen, die ihr eigenes Business aufbauen.

      In so einem Rahmen brauchst du eigentlich nur den Mut zu einer Frage: „Was machst du denn eigentlich?“ Wichtig ist, danach nicht beim Smalltalk stehen zu bleiben. Denn genau dort fühlen sich Feinfühlige am wenigsten wohl.

      „Ich will mich nicht aufdrängen“

      Diesen Satz höre ich oft, vor allem von Frauen. Suse Pauline sieht dahinter Unsicherheit: Bin ich gut genug? Werde ich anerkannt? Ganz verschwindet diese Unsicherheit nie, auch nicht bei erfahrenen Selbstständigen. Aber sie wird kleiner, wenn du für dein Thema brennst.

      Ihr Vergleich: Wenn du mit fünf anderen Menschen zusammen bist, die dein Hobby teilen, denkst du nicht darüber nach, ob du dich aufdrängst. Du bist neugierig, wie die anderen das sehen. Wer nicht fragt, sitzt eine Stunde an der Seitenlinie und bekommt seine eigenen Fragen nie beantwortet.

      Keiner kann dich lesen

      Auf einem Kongress in der Textilforschung sah Suse Pauline einen bekannten Forscher, mit dem sie schon mehrmals gesprochen hatte. Sie brauchte dringend seinen Rat zu einem Projekt. Und traute sich nicht hin. Erst später verstand sie den Grund: Sie hatte das Gefühl, jeder könne sie so lesen, wie sie andere liest. Sie kannte nur zwei Extreme: sich gar nicht kennen oder sofort eine enge Freundschaft.

      Heute weiß sie, dass sie selbst entscheidet, wie viel sie von sich zeigt. Sie kann völlig fremde Menschen kennenlernen und, wenn es nicht passt, nach ein paar Minuten höflich weiterziehen. Auch das dürfen Feinfühlige lernen: Ein freundliches „Ich hole mir einen Drink“ ist keine Ablehnung, sondern ein normaler Teil des Netzwerkens.

      Für Suse Pauline gibt es übrigens keinen Unterschied zwischen klassischem Businessnetzwerken und herzverbundenem Netzwerken, außer du machst einen draus. Wenn es mit jemandem Klick macht, entsteht die Verbindung ohnehin von Herz zu Herz.

      Podcast Links

      Workshop mit Suse Pauline Petersen

      Soul Business Creation: drei Abende, 2. bis 4. November 2026, jeweils 20 Uhr.

      Anmeldung

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