Diesen Sommer saß ich bei einem Vortrag in Wien im Publikum. Auf einer Folie stand: Du bist nur so stark wie dein Umfeld. In dem Moment wusste ich, diesen Mann möchte ich im NETZWERK-ZIRKEL haben.
Clemens Doppler war über 20 Jahre in der Weltspitze des Beachvolleyballs. Er ist Vizeweltmeister, zweifacher Europameister und hat sich viermal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Den Vizeweltmeistertitel holte er 2017 bei der Heim WM auf der Wiener Donauinsel. 2023 beendete er seine Profikarriere. Heute steht er als Speaker auf der Bühne, begleitet Unternehmen und Teams und ist Mitbegründer der Sportbox GmbH.
Die Podcastfolge zum Nachlesen.
Foto: ©️Clemens Doppler
„Dein Umfeld formt dein Potenzial.“ („Your environment shapes your potential.“) Clemens Doppler
Wir haben darüber gesprochen, was ein Netzwerk im Sport und im Business wirklich trägt. Und warum vieles davon mit Entscheidungen zu tun hat, nicht mit Talent.
In diesem Artikel liest du:
- Warum ein Mentor mehr bringt als ein fertiges Netzwerk
- Wie du mit einer Not to do Liste und ehrlichen Absagen Beziehungen pflegst
- Welche Dinge null Talent brauchen und trotzdem den Unterschied machen
Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.
Ein Mentor statt eines fertigen Netzwerks
Clemens kommt aus einer Lehrerfamilie in Oberösterreich. Seine Eltern spielten ein bisschen Volleyball im kleinen Verein, er war das typische Hallenkind. Ein Netzwerk für den Profisport gab es nicht. Was es gab, war Vertrauen. Als er sich mit 16 gegen die Matura entschied, haben seine Eltern ihn sofort unterstützt.
Das Netzwerk kam später, durch Nik Berger. Er war damals der etablierte Name im Beachvolleyball und wurde Clemens‘ Mentor. Von ihm lernte er Sponsorenbetreuung, PR, mit wem man redet, wie man auftritt und wann es sogar hinderlich ist, zu einer Veranstaltung zu gehen. „Damals war ich ein komplett verpeilter junger Mann“, sagt Clemens. Heute zählt er Organisation zu seinen Stärken.
Wie man heute zu einem Mentor kommt? Einfach fragen. Eine junge Spielerin, die er inzwischen begleitet, hat ihn über Instagram angeschrieben. Ohne diesen Mut hätten sie sich nie kennengelernt.
Die Not to do Liste
Nach dem Karriereende machte Clemens den Fehler, den viele ehemalige Sportlerinnen und Sportler machen: Er sagte überall Ja. Aus Angst, etwas zu verpassen. Das ging auf die Substanz.
Heute schreibt er einmal im Monat eine Not to do Liste. Meistens stehen Einladungen darauf. Nicht, weil die Events schlecht wären, sondern weil sie gerade keine Priorität haben. Eine Priorität ist zum Beispiel das Volleyballteam seiner Tochter, das er inzwischen selbst trainiert.
Absagen, die Türen offen lassen
Clemens lässt keine Einladung unbeantwortet. Er sagt zu oder ab, und wenn er absagt, schreibt er dazu, warum. Ein Dank, ein ehrlicher Satz, die Hoffnung auf das nächste Mal. Es ist ihm noch nie passiert, dass er danach nicht wieder eingeladen wurde.
Das sehe ich genauso. Nein ist eine vollwertige Antwort. Aber mit einer kurzen Begründung kann dein Gegenüber es leichter einordnen.
Was null Talent braucht
Lange glaubte Clemens, Erfolg hänge vom Talent ab. Dann verletzte er sich einen Monat vor seinen ersten Olympischen Spielen schwer, als Nummer 3 der Welt. Einer Verletzung ist es egal, wie talentiert du bist. Es zählen Resilienz, Durchhaltevermögen und Fokus.
Mit jungen Sportlerinnen und Sportlern arbeitet er deshalb zuerst an den Zero Talent Things: pünktlich sein, Guten Morgen sagen, zehn Minuten früher am Platz sein. Im Business stellt er eine ähnliche Frage: Wer will ich sein, statt was will ich erreichen? Die erfolgreichsten Führungskräfte sind für ihn menschlich greifbar. Sie merken sich Vornamen und fragen nach, wenn jemand krank war.
Mit den Augen zuhören
Beim Aufbau seines Netzwerks nach dem Sport halfen Clemens weniger die Kontakte als seine Fähigkeiten: offen auf Menschen zugehen, auf Augenhöhe kommunizieren, sich nicht wichtiger nehmen, als man ist. Und ehrlich um einen Kaffee bitten.
Sein Rat an Führungskräfte: mit den Augen zuhören, nicht nur mit den Ohren. Und nachfragen: Wie meinst du das genau? Bei seinem Vortrag im Sommer, erzählte er mir, sei ich die Einzige gewesen, die ihm die ganze Zeit in die Augen geschaut hat. Genau das bleibt hängen.
Sein bester Netzwerktipp: offen reingehen, mit dem Wunsch zu lernen, nicht um Deals abzuschließen.
