Die meisten warten, bis sie sich bereit fühlen, bevor sie über ihre Idee sprechen. Nadina Ruedl hat das nie getan.
Nadina ist Gründerin der veganen Metzgerei Die Pflanzerei und wurde 2024 von Frau in der Wirtschaft und der Wirtschaftskammer mit dem Woman in Business Award als Gründerin des Jahres ausgezeichnet. Sie entwickelt vegane Alternativen zur österreichischen Hausmannskost, mit Namen wie Mitzel oder Gustl.
Sie kommt selbst nicht aus der Lebensmittelbranche, hat aber gelernt, sich den Vertrauensvorsprung anderer hart zu erarbeiten. Und sie hat eine sehr klare Meinung dazu, was Netzwerken für sie bedeutet.
Die Podcastfolge zum Nachlesen.
Foto: ©️Die Pflanzerei-NADINA RUEDL
„Das Wichtigste ist, über diese Idee zu sprechen, weil erst dann ergeben sich diese Kontakte.“ Nadina Ruedl
In dieser Folge sprechen wir darüber, warum wahrgenommene Kompetenz genauso zählt wie Fachwissen, wie aus ersten Gesprächen mit Metzgern eine Kolumne und daraus ein Netzwerk wurde, und warum Nadina überhaupt keinen Smalltalk mag. Wir reden über Scheitern, ihre Anfänge bei gemeinnützigen Vereinen und warum sie sich selbst immer wieder neu erfindet.
In diesem Artikel liest du:
- Warum du nicht warten musst, bis du dich als Expert:in fühlst, um über deine Idee zu sprechen
- Wie aus Gesprächen mit Metzgern eine Kolumne und daraus neue Kontakte wurden
- Warum Nadina Netzwerken ohne Smalltalk lebt und was das für dich bedeuten kann
Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.
SICHTBARKEIT SCHLÄGT PERFEKTION
Wenn du in einer Branche unterwegs bist, in der andere durch jahrelange Erfahrung oder eine passende Ausbildung längst einen Vertrauensvorsprung haben, musst du dir diesen erst erarbeiten. Das hat Nadina selbst erlebt, sie kommt nicht aus der Lebensmittelbranche.
Ihre Erfahrung: Wenn du eine Idee hast, sprich möglichst schnell darüber. Du bringst meistens schon mehr Wissen und Hintergrund mit, als dir selbst bewusst ist.
Und noch wichtiger: Erst wenn du sprichst, können die richtigen Menschen reagieren. Sichtbarkeit heißt für Nadina nicht laut sein. Sondern klar zeigen, wofür man steht.
WARUM NIEMAND DEINE IDEE STIEHLT
Ein Gedanke, den viele kennen: Wenn ich zu früh über meine Idee spreche, nimmt sie mir jemand weg.
Nadina hält das für einen Denkfehler. Wer über ein Thema redet, hat meist schon einen Wissensvorsprung und einen Background, den man nicht einfach kopieren kann.
Ihr Rat: Rede trotzdem. Denn wer schweigt, verhindert genau die Kontakte, die eine Idee überhaupt erst möglich machen. Ihre wichtigsten Kooperationen sind aus offenen Gesprächen entstanden, nicht aus Geheimhaltung.
NETZWERKEN OHNE SMALLTALK
Bezeichnest du dich als Netzwerkerin? Darüber hatte Nadina vor unserem Gespräch nie nachgedacht. Sicher ist nur: Smalltalk ist nicht ihres.
Sie geht gern auf Menschen zu, aber über Inhalte, die ihr wichtig sind. Genau darüber baut sie Vertrauen auf.
Für alle, die sich selbst nicht als geborene Netzwerkerinnen sehen, ist das eine gute Nachricht. Du brauchst keinen perfekten Smalltalk. Du brauchst ein Thema, für das du brennst, und echtes Interesse an deinem Gegenüber.
WIE AUS EINEM GESPRÄCH EINE KOLUMNE WURDE
Eine Kolumne in einer Fachzeitschrift hat Nadina wichtige Türen geöffnet. Von außen sieht das nach Zufall aus.
War es aber nicht. Nadina hatte vorher viele Gespräche mit Metzgern geführt und erste Muster entwickelt. Bei einer dieser Produktionen war zufällig die Chefredakteurin der Fachzeitschrift vor Ort.
Ihr Learning: Die wertvollsten Kontakte entstehen selten am Schreibtisch. Sie entstehen, während du tust. Muster machst, ausprobierst, dranbleibst.
VOM SCHWEINESTALL ZUM GUSTL: WIE DIE PFLANZEREI ENTSTAND
Bevor es die Pflanzerei gab, hat Nadina jahrelang für gemeinnützige Vereine wie Donau Soja gearbeitet, mitten in der klassischen Landwirtschaft und Fleischproduktion.
Privat kam über eine Begegnung das Thema vegane Ernährung dazu. Und irgendwann die Frage: Wo ist eigentlich mein Leberkäse, wenn ich kein Fleisch mehr esse?
Aus dieser Lücke entstand der Gustl, ein veganer Leberkäse auf Basis von Erdäpfeln, Roten Rüben und Zwiebeln. Entwickelt gemeinsam mit einem Metzger, der eigentlich das Gegenteil produziert.
Nadinas letzter Satz im Gespräch war denkbar einfach: „Sei, wie du bist.“
Vielleicht der ehrlichste Netzwerktipp, den es gibt.
