Diesen Satz hat Gerlinde Layr-Gizycki gesagt. Und er hat sich bei mir sofort festgesetzt.
Weil er so wahr ist. Weil die meisten Menschen ihr Netzwerk erst dann vermissen, wenn sie es dringend brauchen. Und dann ist es zu spät, um schnell etwas aufzubauen.
Gerlinde Layr-Gizycki und Wolfgang Layr sind nicht irgendwelche Netzwerk-Theoretiker. Gerlinde ist Unternehmerin, mehrfache Aufsichtsrätin, Gründerin. Wolfgang ist strategischer Kommunikator, ehemaliger Bankenvorstand, Journalist, Kommerzialrat und Laienrichter. Beide haben über sechzig Top-Netzwerker:innen in Österreich interviewt und daraus ein Buch gemacht: „Netzen. Menschen zu Netzwerken verbinden“, erschienen im Dezember 2024 im Echo Media Verlag, zusammen mit Koautorin Valerie de Ico Streibl.
Ich hatte die beiden im Podcast NETZWERK-ZIRKEL zu Gast. Was ich mitgenommen habe, war mehr als erwartet.
Die Podcastfolge zum Nachlesen.
Foto: Copyright Gerlinde Layr-Gizycki
„Vertrauen kann man nicht hochladen wie ein Excel-Sheet.“ Gerlinde Layr-Gizycki
In dieser Folge spreche ich mit Gerlinde Layr-Gizycki und Wolfgang Layr. Wir sprechen darüber, warum dein Netzwerk wie WLAN funktioniert, wann KI beim Netzwerken hilft und wo sie versagt, was introvertierte Menschen beim Netzwerken oft besser machen als extrovertierte, und welche drei Fehler Netzwerken wirklich teuer machen.
In diesem Artikel erfährst du:
- Warum du dein Netzwerk aufbauen musst, bevor du es brauchst
- Was ein gutes Netzwerk von einer Seilschaft unterscheidet
- Wie introvertierte Menschen oft die besseren Netzwerker:innen sind
- Welche drei Fehler beim Netzwerken am teuersten kommen
Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.
Was ein gutes Netzwerk wirklich ausmacht
Wolfgang Layr macht eine klare Unterscheidung: Ein gutes Netzwerk ist nicht dasselbe wie eine Seilschaft.
Eine Seilschaft nutzt einigen wenigen auf Kosten anderer. Ein gutes Netzwerk hingegen erfüllt vier Kriterien gleichzeitig: Es nutzt einem selbst, dem Gegenüber, der Organisation und der Gesellschaft.
Das klingt einfach. Aber es ist eine wichtige Unterscheidung. Wer Netzwerken nur als Mittel zum Zweck sieht, baut keine belastbaren Beziehungen auf. Der bekommt Kontakte. Keine Verbindungen.
Introvertiert? Oft der Vorteil.
Eine der Überraschungen aus dem Gespräch: Introvertierte sind beim Netzwerken häufig besser als Extrovertierte.
Warum? Weil sie zuhören. Weil sie Fragen stellen, statt zu reden. Weil sie Gemeinsamkeiten entdecken, bevor sie über sich selbst sprechen. Und Gemeinsamkeiten, sagt Gerlinde, sind die Basis von Sympathie.
Fast jede:r kann Netzwerken lernen. Die einzige echte Voraussetzung: Man muss Menschen grundsätzlich mögen.
10.000 LinkedIn-Kontakte sind kein Netzwerk
Der schottische Forscher Robin Dunbar hat herausgefunden, dass Menschen maximal rund 150 belastbare Beziehungen pflegen können. Wer 10.000 LinkedIn-Kontakte hat, hat 10.000 Zuschauer:innen, kein Netzwerk.
Gerlinde sagt es so: Eine Beziehung ist erst belastbar, wenn man sich wirklich eine Stunde zusammengesetzt hat. Wenn man vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Wenn man bei der Person im Hinterkopf hängen bleibt.
Menge macht’s nicht. Tiefe macht’s.
Die drei teuersten Fehler beim Netzwerken
Wolfgang Layr nennt drei Fehler, die Netzwerken wirklich kostspielig machen.
Erstens: überhaupt nicht netzwerken. Das ist der größte und teuerste Fehler.
Zweitens: mit der falschen Einstellung hingehen. Ungeduldig, zu salesorientiert, egozentrisch. Wer an einem Gegenüber vorbei redet, baut keine Beziehung auf.
Drittens: in schlechter Verfassung zu einem Event gehen. Müde, gestresst, schlecht gelaunt. Der erste Eindruck sitzt. Und er sitzt länger als man denkt. Wolfgangs Regel: Wenn er nicht gut drauf ist, geht er gar nicht hin.
Was KI nicht kann
Gerlinde und Wolfgang haben die KI-Frage direkt gestellt. Welche Aufgaben kann sie beim Netzwerken übernehmen?
Planung, Recherche, Vorbereitung von Gesprächen. Das schon.
Aber das Persönliche nicht. Das Erinnern an das, was beim letzten Treffen besprochen wurde. Das Knirstern im Raum. Das echte Interesse. Vertrauen, sagt Gerlinde, kann man nicht hochladen wie ein Excel-Sheet.
Und je mehr KI in unseren Alltag einzieht, desto wichtiger wird genau das: die Fähigkeit, echte menschliche Verbindungen aufzubauen.
Was du jetzt tun kannst
Wolfgang Layrs Empfehlung für sofort nach dem Podcast: Netzwerklandkarte aufzeichnen. Auf einem Blatt Papier. Wo stehe ich gerade? Welche Kontakte habe ich? Welche brauche ich, um meine Ziele zu erreichen?
Und dann: einfach zwei oder drei Personen anschreiben, mit denen man schon lange mal wieder reden wollte. Kaffee ausmachen. Loslegen.
