Weniger unmenschliche Arbeit, mehr echte Verbindungen: Christoph Holz über KI und Netzwerken in 2040

9. Juli, 2026 | Gesprächiges

Christoph Holz ist Informatiker und Raumfahrttechniker. Er bezeichnet sich selbst als IT-Nerd. Und er hat jahrelang geübt, frei zu sprechen, weil er als Introvertierter nie einfach einfach auf Menschen zugehen konnte. 

Heute steht er auf internationalen Bühnen und erklärt, warum Künstliche Intelligenz keine Bedrohung für menschliche Verbindungen ist. Sondern vielleicht genau das Gegenteil. 

Ich hatte Christoph im Podcast NETZWERK-ZIRKEL zu Gast. Dieses Gespräch hat mich doch auch etwas beschäftigt.

Die Podcastfolge zum Nachlesen.
Foto: Christoph Holz / Glass.Foto Robert Staudinger

„Wenn die KI bis 2040 alles Unmenschliche automatisiert, dann ist das, was übrig bleibt, der Mensch.“ – Christoph Holz

In dieser Folge spreche ich mit Christoph Holz über KI, Netzwerken und die Frage, was im Jahr 2040 noch wirklich menschlich ist. Christoph ist Informatiker, Raumfahrttechniker und einer der gefragtesten Keynote Speaker im deutschsprachigen Raum, wenn es um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz geht. Er erklärt komplexe Zukunftsthemen mit Klarheit, Tiefe und einer ordentlichen Portion Humor.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Wie KI beim Netzwerken wirklich helfen kann und wo die Grenzen sind
  • Warum LinkedIn-Kontakte noch kein Netzwerk sind
  • Was Frankenstein mit KI zu tun hat und warum das kein Witz ist
  • Wie Christoph als introvertierter IT-Nerd gelernt hat, auf Bühnen zu stehen
  • Warum KI bis 2040 dafür sorgen könnte, dass wir wieder mehr echte Freundschaften pflegen

Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.

LinkedIn-Kontakte sind noch kein Netzwerk

Christoph Holz akzeptiert auf LinkedIn so gut wie alle Kontaktanfragen. Das Ergebnis: Er ist overconnected und underinformed.

Viele Kontakte, wenig Verbindung. Das ist kein Netzwerk. Das ist eine Zuschauerliste.

Was er stattdessen nutzt: KI zur Vorbereitung. Wenn er zu einer Netzwerkveranstaltung geht und die Teilnehmerliste kennt, lässt er sich von der KI ein kurzes Dossier über relevante Personen erstellen. Mit Prioritäten. Mit Anknüpfungspunkten. So, wie das früher ein guter Networking-Manager gemacht hat.

Das ist KI sinnvoll eingesetzt. Als Vorbereitung auf echte Begegnungen, nicht als Ersatz dafür.

Frankenstein und die erste KI der Literaturgeschichte

Christoph erzählt Geschichten, die hängen bleiben. Eine davon:

Mary Shelley hat Frankensteins Monster als unschuldiges Wesen geschaffen. Es wusste nichts über Menschen. Es hat mit einem Kind gespielt, ganz unschuldig, zwei Wesen, die nicht lang auf der Welt sind. Zwei Minuten später war das Kind tot. Nicht aus Bösartigkeit. Aus Unwissen.

Böse wurde das Monster erst durch den Kontakt mit Menschen.

Exakt 200 Jahre später, 2016, hat Microsoft den Chatbot Tay gelauncht. Innerhalb von Stunden hat er auf Twitter gelernt, Hass zu verbreiten. Durch den Kontakt mit Menschen.

Christoph sagt: Wenn wir glauben, dass KI rassistisch ist, dann ist das ein Anthropomorphismus. Wir schreiben ihr menschliche Eigenschaften zu. Aber das sind Dinge, die sie von uns gelernt hat.

Der introvertierte IT-Nerd, der auf die Bühne gegangen ist

    Christoph Holz hat sein ganzes Studium lang keine einzige Frage gestellt. Nicht weil er keine hatte. Sondern weil er introvertiert ist und das Öffentliche-Reden sich für ihn anfühlt wie eine Fremdsprache.

    Dann wurde er Unternehmer. Und hat sich entschieden: Entweder gehst du auf die Bühne oder in die Pleite.

    Er ist auf die Bühne gegangen. Unter großen Schmerzen, wie er selbst sagt. Aber er hat es durchgezogen.

    Was ihm geholfen hat: Die Bühne gibt ihm die Legitimation zu sprechen. Als Introvertierter braucht er einen Rahmen, eine Rechtfertigung. Die Bühne ist dieser Rahmen. Und das Netzwerkevent kann dieser Rahmen sein, wenn man sich bewusst darauf einlässt.

    2040: Mehr Zeit füreinander

    Das ist die Kernthese von Christoph Holz. Und sie ist mutiger als sie klingt.

    Wenn KI bis 2040 alles Unmenschliche automatisiert, bleibt das übrig, was nur Menschen können: Empathie. Echte Kreativität. Tiefgründige Gespräche.

    Früher hatte ein Mensch fünf bis zehn gute Freunde. Heute haben die meisten Menschen bestenfalls noch einen wirklich guten Freund. Christoph glaubt, dass sich das umkehren wird. Dass wir wieder mehr echte Verbindungen pflegen können, weil wir mehr Zeit dafür haben werden.

     Das ist kein naiver Optimismus. Das ist eine These, die auf einer klaren Analyse basiert.

     Und sie macht Mut.

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