Durchgehen musst du selber. Nadia Tor über Netzwerken als Frau, Mutter und Sales Director im Konzern.

23. Juli, 2026 | Gesprächiges

Diesen Satz hat Nadia Tor am Ende unseres Gesprächs gesagt. Und er fasst ihre Haltung zum Netzwerken besser zusammen als jede Definition.

Nadia ist Sales Director bei ZTE Austria, Vorstandsmitglied bei WOMENinICT und der Austrian Data Center Association, Mitglied im Board des Diversity Ball Wien und Gründerin einer Diversity-Community bei ihrem früheren Arbeitgeber. Zusätzlich betreibt sie seit über einem Jahr die LinkedIn-Serie Fulltime Working Moms, jeden Mittwoch, ohne Pause. 

Sie ist international aufgewachsen, hat in mehreren Ländern gelebt und arbeitet heute in einem chinesischen Konzern. Und sie hat eine sehr klare Meinung dazu, was Netzwerken wirklich bedeutet.

Die Podcastfolge zum Nachlesen.
Foto: xxx

„Ein Netzwerkevent ist die Vorspeise. Zur Hauptspeise kommt man erst im Eins-zu-eins-Gespräch.“ Nadia Tor

In dieser Folge sprechen wir über echte Beziehungen in Konzernen, Sichtbarkeit als Frau in einer männlich geprägten Branche und darüber, wie viel man von sich wann preisgeben sollte. Wir reden über Stakeholder-Management, chinesische Unternehmenskultur, das Imposter Syndrome und warum ein Netzwerkevent immer nur die Vorspeise ist.

In diesem Artikel liest du:

  • Warum ein Netzwerkevent immer nur die Vorspeise ist und was danach kommen muss
  • Was die situationselastische Wand ist und warum sie beim Netzwerken entscheidend ist
  • Wie Nadia als Vollzeitmutter und Frau in einer männlich geprägten Branche sichtbar geworden ist

Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.

Netzwerken im Konzern: Was wirklich zählt

Nadia macht eine klare Unterscheidung zwischen Kontakte sammeln und Netzwerken. Kontakte sammeln ist kein Ziel. Netzwerken ist ein Asset, das man bewusst aufbaut.

Was sie empfiehlt: Stakeholder-Mapping. Wer sind die internen Entscheidungsträger:innen? Wer die externen? Wer muss bei welchem Thema eingebunden werden? Wer sind die Low-Hanging-Fruits, also die schnellen Verbindungen? Und wer ist ein langfristiger Aufbau?

Und dann etwas, das ich sehr gut kenne aus meiner eigenen Konzernzeit: In großen Unternehmen ist die Entscheidung in 80 Prozent der Fälle schon vor dem offiziellen Meeting gefallen. Wer die richtigen Key Stakeholder kennt und frühzeitig das Gespräch sucht, kann Entscheidungen mitgestalten, bevor sie offiziell getroffen werden.

Gesicht wahren: Was alle davon lernen können

Nadia arbeitet in einem chinesischen Konzern und hat sich bewusst mit chinesischer Unternehmenskultur auseinandergesetzt. Ein Konzept hat sie besonders beschäftigt: das Wahren des Gesichts.

Dahinter steckt der Gedanke, nicht nur das eigene Gesicht zu wahren, sondern auch das des Gegenübers. Konkret bedeutet das: Wo kommuniziere ich Fehler? In einer großen Runde? Per Reply All? Oder zuerst im Vieraugengeräspch mit der betroffenen Person?

Nadia sagt, sie hat das als Prinzip übernommen. Nicht weil es chinesisch ist, sondern weil es respektvoll ist. Und weil es Vertrauen aufbaut.

Ihr Bild dafür: der Pause-Knopf. Kurz innehalten, bevor man auf eine kritische Situation reagiert. Was ist jetzt taktisch der beste Zug?

Sichtbar werden als Frau, ohne sich zu verbiegen

    Nadia war in der HTL (Höhere Technische Lehranstalt als Schule), eine von zwei Mädchen in einer Klasse mit fast zwanzig Burschen. Ihr Learning daraus: Wenn man thematisch dazugehört, ist man Teil der Gruppe. Nicht wegen Geschlecht oder Herkunft, sondern wegen gemeinsamen Interessen und Anknüpfungspunkten.

    Was viele Frauen bremst: das Imposter Syndrome. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder nicht in den Raum zu gehören. Nadia sagt dazu: Oft haben andere denselben oder sogar einen geringeren Wissensstand. Und das ist völlig in Ordnung. Weil man in ein Netzwerk geht, um zu lernen, nicht um der oder die Klügste zu sein.

    Wenn du in einen Raum kommst und du bist die Person, die am meisten weiß, bist du falsch. Dann kannst du nicht lernen.

    Die situationselastische Wand

    Eines der Konzepte aus diesem Gespräch, das ich so noch nie gehört habe: die situationselastische Wand.

    Nadia beschreibt damit, wie viel sie von sich in welcher Situation preisgibt. Nicht weil sie etwas verbergen will, sondern weil sie bewusst entscheidet, welche Geschichte in welchem Kontext passt. Als Sales Director in einem technischen Gespräch über Rechenzentren ist ihr Fulltime-Working-Mom-Hut nicht das richtige Thema. In einem anderen Kontext sehr wohl.

    Diese Wand kann man rauf- und runterfahren. Je nach Situation. Das ist keine Verstellung. Das ist Bewusstsein für Kontext.

    Fulltime Working Moms: Ein Format, das aus echtem Schmerz entstanden ist

    Als Nadia nach der Karenz Vollzeit zurückgekehrt ist, wurde sie mit Vorurteilen konfrontiert. Im privaten Umfeld, von Geschäftspartnern, von Männern im Business-Kontext. Sätze wie „Das wird dir leid tun, wenn dein Kind 18 ist.“

    Ihr fehlten die Vorbilder. Also hat sie sie gesucht. Und dann selbst geschaffen.

    Seit über einem Jahr stellt sie jeden Mittwoch auf LinkedIn eine Frau vor, die Vollzeit arbeitet und Kinder hat. „Women Working Wednesdays“: Jeden Mittwoch ein neues Portrait. Heute melden sich jede Woche neue Frauen, die mitmachen wollen oder Danke sagen.

    Es gibt kein richtig oder falsch. Aber sie will zeigen, wie es geht, wenn man es will.

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