Null Bock aufs Netzwerken? Genau dann solltest du hingehen

17. Apr., 2026 | Fachliches, Persönliches

Ich möchte heute mit einer ehrlichen Wahrheit beginnen: Vor kurzem bin ich zum Jungunternehmertag der Wirtschaftskammer Niederösterreich gefahren und ich hatte null Bock auf einen Netzwerk-Tag und viele fremde Menschen. Nicht ein bisschen. Wirklich gar keinen.

Ich wäre an diesem Morgen lieber am Schreibtisch geblieben, hätte Mails beantwortet, irgendetwas Organisatorisches erledigt und mir eingeredet, dass ich heute einfach „nicht in der Stimmung“ bin. Keine Netzwerkenergie. Keine Vorfreude. Keine Lust auf Smalltalk, Parkplatzsuche oder die übliche Anfangsunsicherheit bei Events. 

Und trotzdem bin ich gefahren.

Nicht, weil ich besonders motiviert gewesen wäre. Sondern weil ich finde: Wenn ich mich anmelde, dann gehe ich auch hin. Das ist ein Zeichen der Höflichkeit den Veranstaltern gegenüber. (Außer natürlich, ich bin krank.) Und genau diese Entscheidung hat mich wieder an etwas erinnert, das ich dir heute unbedingt mitgeben will…

Die Podcastfolge zum Nachlesen.

„Netzwerken ist nicht Stimmung. Netzwerken ist eine bewusste Entscheidung.“

Ich nehme dich mit zu einem Eventtag, auf den ich morgens eigentlich keine Lust hatte. Genau dort sind starke Gespräche, neue Ideen und wertvolle Erinnerungen entstanden. In dieser Folge erfährst du, warum echtes Netzwerken oft außerhalb deiner Komfortzone beginnt und wie du mit kleinen Schritten große Wirkung erzielst.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Warum Netzwerken eine bewusste Entscheidung ist und nicht von deiner Stimmung abhängen darf
  • Wie du mit Fragen, ehrlichem Interesse und der Stehtischmethode leichter ins Gespräch kommst
  • Weshalb Nachfassen innerhalb von 72 Stunden aus Kontakten echte Beziehungen macht

Mehr dazu in der Podcast-Folge: Jetzt gleich reinhören! Und hier die Zusammenfassung zum Lesen.

Warum der schwierigste Moment oft direkt am Anfang liegt

Kennst du das?

Du kommst bei einem Event an, es ist ein bisschen chaotisch, vor dem Eingang stehen schon Leute herum, viele schauen aufs Handy, niemand wirkt besonders ansprechbar und in dir meldet sich sofort dieser kleine Fluchtreflex.

Genau so kommt es auch bei mir gelegentlich vor.

Und genau dort ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet hatte: Mein erstes richtig gutes Gespräch entstand noch vor dem offiziellen Start. Einfach so. Ohne Druck. Ohne Strategie-Masterplan. Nur weil wir beide zufällig vor dem Eingang zum Vortragssaal nebeneinander gewartet haben.

Tatsächlich entstand ein interessantes Gespräch: Ich habe mich mit jemandem über Automatisierung, IT-Security und KI ausgetauscht; also über Themen, die mich normalerweise gar nicht zuerst anziehen würden. Aber ich habe nachgefragt. Ehrlich. Neugierig. Und plötzlich war sie da: diese Offenheit.

Die Stimmung war auf einmal eine andere.

Das ist für mich eines der stärksten Learnings dieses Tages: Das beste Networking beginnt oft, bevor die eigentliche Veranstaltung startet.

 Nicht auf der Bühne. Nicht erst beim offiziellen Programmpunkt. Sondern in den Minuten davor. Beim Ankommen. Beim Warten. Beim ersten lockeren Gespräch. 

Du musst nicht perfekt auftreten – du musst nur da sein

Später an diesem Tag gab es eine Keynote, die mich wirklich berührt hat. Kein großes Tamtam oder aufwendige Folien. Sondern Ruhe, Persönlichkeit und echte Geschichten.

Und danach habe ich etwas gemacht, das ich dir sehr empfehlen kann: Ich bin direkt zum Speaker hingegangen, um mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Von rund 300 Menschen im Raum haben das nur wenige getan. Die meisten sind sofort weiter zum Buffet gedrängt. Ich habe die Gelegenheit genutzt und mich ehrlich bedankt, meine Wertschätzung ausgesprochen und anschließend einfach gefragt: „Würdest du mir eine Stunde deiner Zeit für meinen Podcast schenken?“

Die Antwort war: „Ja klar.“ So einfach.

Und genau das ist der Punkt: Wir denken oft viel zu lange darüber nach, ob wir fragen „dürfen“. Ob das passend ist. Ob es zu direkt ist. Ob wir stören. In Wahrheit merken wir meist: Niemand frisst uns auf oder ist uns böse. Also: einfach sich trauen & machen!

Ganz höflich nachfragen und das bringt uns neue Chancen.

So oft stehen wir uns selbst im Weg, obwohl ein einziger mutiger Satz schon eine neue Tür öffnen könnte.

Storytelling macht dich merkbar

Was ich an diesem Tag auch wieder gemerkt habe: Menschen erinnern sich selten an perfekte Selbstdarstellungen. Aber sie erinnern sich an kleine Momente.

Ich habe mich mit einem simplen Satz vorgestellt:
„Ich bin die Catharina mit C – C wie charmant.“ Und gleichzeitig dabei selbst lachen müssen.

Das ist keine große Inszenierung. Aber es zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Es schafft einen Mini-Moment. Und genau solche Mini-Stories machen dich merkbar.

Gerade im Networking geht es nicht darum, die lauteste Person im Raum zu sein. Es geht darum, in Erinnerung zu bleiben – sympathisch, leicht und menschlich. 

Die Stehtischmethode: mein vielleicht bester Tipp für dich

    Ein weiterer wertvoller Moment des Tages war für mich die Mittagspause. Ich habe dort wieder etwas angewendet, das ich die Stehtischmethode nenne. 

    So einfach sie klingt, so wirksam ist sie:

    Ich gehe aktiv zu einem Tisch, an dem bereits Menschen stehen, und frage nur:
    „Darf ich mich kurz dazustellen?“

    Dann bin ich erstmal ruhig.

    Ich höre zu. Ich beobachte die Dynamik. Ich funke nicht sofort in laufende Gespräche hinein. Und wenn eine natürliche Pause entsteht, hake ich mit einer Frage ein.

    Das nimmt so viel Unsicherheit raus.

    Denn viele glauben, sie müssten beim Netzwerken sofort glänzen, unterhalten oder besonders interessant wirken. Meine Erfahrung ist eine andere:

    Du musst nicht interessant sein. Interessiert reicht völlig.

    Das ist ein Satz, den sich viel mehr Menschen mitnehmen sollten. Wirklich ehrliches Interesse ist einer der stärksten Türöffner überhaupt. 

    Gute Formate helfen beim Netzwerken enorm

    Ein echtes Highlight des Tages war das Netzwerk-Bingo und das Speed Networking. Ich fand das vom Veranstalter richtig clever. 

    Beim Netzwerk-Bingo bekam jede Person eine Karte mit Fragen wie: Wen hast du aus deinem Bezirk getroffen? Wer kommt aus einer ähnlichen Branche? Für jede Antwort musste ein anderer Name eingetragen werden. Am Ende hatte man automatisch mehrere Gespräche geführt und ganz nebenbei einen lockeren Anlass, Menschen anzusprechen.

    Das Spannende daran: Der Druck war raus.

    Niemand musste sich aufdringlich fühlen. Niemand musste krampfhaft nach einem Einstieg suchen. Das Format hat Verbindung leichter gemacht.

    Auch das Speed Networking nach Regionen war smart gelöst: unterschiedliche Farbbänder, passende Stehtische, Wechsel alle zehn Minuten. So kamen viele Gespräche zustande, und die, die wirklich Potenzial hatten, gingen danach weiter.

    Das ist für mich ein wichtiges Learning (auch für eigene Veranstaltungen, falls du welche planst): Gute Netzwerkformate schaffen Sicherheit, Struktur und Begegnung.

    Der größte Fehler nach dem Event

    Und dann kommt der Teil, der über Erfolg oder über ein „teures“ Mittagessen entscheidet: das Nachfassen!

    Ich habe an dem Tag mit jemandem gesprochen, der meinte, Events seien oft teuer – auch wenn das Ticket gratis ist. Und genau das stimmt. 

    Denn selbst wenn du keinen Eintritt zahlst: Du investierst Zeit. Du investierst Fokus. Du investierst Energie. Vielleicht entgeht dir in dieser Zeit sogar ein bezahlter Auftrag oder produktive Arbeitszeit.

    Wenn du dann aber aus den geknüpften Kontakten nichts machst, war das Event am Ende nur ein sehr „teures Gratis-Mittagessen“.

    Netzwerken ist eine Investition. Und jede Investition wirkt nur dann, wenn du sie aktiv pflegst.

    Mein klarer Tipp: Follow-up innerhalb von 72 Stunden.

    Eine kurze Dankesnachricht. Ein Bezug auf euer Gespräch. Ein nächster Schritt. Ein Terminvorschlag. Ein Link. Ein Impuls. Irgendetwas…

    Denn Kontakte werden nicht durch Visitenkarten zu Beziehungen.
    Kontakte werden durch Nachfassen zu Beziehungen.

    Mein Fazit für dich

    Du musst keine perfekte Netzwerkversion von dir sein. Du musst nicht geschniegelt, hochmotiviert und supergut gelaunt sein. Du musst nicht mit einem Feuerwerk an Selbstbewusstsein in einen Raum marschieren.

    Was du brauchst, ist etwas viel Einfacheres:

    Die Entscheidung, hinzugehen und ein bisschen Neugier auf Menschen sowie die Bereitschaft, nach dem Event dranzubleiben.

    Manchmal entstehen die wertvollsten Gespräche genau an den Tagen, an denen du vorher dachtest: Heute ganz sicher nicht.

    Vielleicht ist genau das die wichtigste Erinnerung dieses Beitrags:

    Du musst keine Netzwerklaune haben, um zu Netzwerken
    Du brauchst nur eine bewusste Entscheidung.

     

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